Freitag, 8. Juli 2016

Louisburgh 180 km


Wir gehen (oder besser: fahren) für ein paar Tage getrennte Wege. Während Anja und Erwin so langsam in Richtung Ostküste wollen, fahren wir noch ein Stück nordwärts. Es soll hier schön angelegte Radwege geben. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Doch zuerst müssen wir an der Ent- und Versorgung anstehen. Wir haben mal wieder einen ganz schlauen Mietmobilfahrer vor uns. Zunächst merken wir das aber noch nicht. Wir kommen sogar nett mit ihm ins Gespräch und unterhalten uns darüber, wie lange es doch dauert, bis das Abwasser abgelaufen ist. Dann packt sie, die Mietmobilistin, ihre Duschsachen und verschwindet in Richtung Sanitärgebäude. Er bleibt aber beim Mobil und schaut seinem Abwasser zu bzw. dem dünnen Rinnsal, das aus seinem Tank tröpfelt. Achim bemerkt, dass der Frischwasserverschluss des Mietmobils gar nicht aufgeschraubt ist. Hat er den vergessen? Nein, er will noch Frischwasser auffüllen, wenn der Abwassertank leer ist. Achim ermutigt ihn, doch schon jetzt das Frischwasser aufzufüllen, schließlich könne das Abwasser auch unbeobachtet und gleichzeitig seinen Weg finden. Der Mobilist murrt ein bisschen, er hätte doch Urlaub und jede Zeit der Welt, schickt sich aber an, nun tatsächlich diese beiden Dinge gleichzeitig zu erledigen. Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit auch auf die Entsorgung fahren können, haben aber die hinter uns Wartenden bereits aufgegeben und sind weg. Zugegeben, wir haben wohl alle Urlaub und Zeit. Aber muss man diese Zeit unbedingt länger als nötig im Stau vor der Entsorgung verbringen? Dann fahren wir los und stehen nach ein paar Kilometern schon wieder. In Kinvara geht erst einmal gar nichts mehr. Ein Traktor der größeren Sorte hat sich mit einem entgegen kommenden Reisebus quasi verhakt. Da beide Fahrer Profis sind, gibt zuerst keiner nach. Jeder meint, der andere müsse zurück fahren. Irgendwann können sich die beiden aber doch wieder von einander loseisen. Trotzdem geht es in diesen engen Straßen mit an jeder Seite parkenden Autos nur ganz zäh voran. Nach einigen Metern sehen wir die wahren Schuldigen. Man hat eine Baustelle mit Wechselampel eingerichtet, aber eben nur auf der Länge der Baustelle. Deshalb kommen immer mehr Fahrzeuge entgegen, kommen aber nicht aus der Baustelle heraus, eben weil Stau. Hätte man die Ampeln ein paar Meter weiter voneinander entfernt platziert, wäre alles gut. So aber ist viel Geduld und Nachsicht gefragt. Wir fahren danach weiter nach Norden und staunen nicht schlecht über die Vielfalt der Landschaft, die sich uns nun alle paar Kilometer bietet. Hinter Galway öffnet sich der Horizont. Wir befinden uns in einer weiten Landschaft mit Seen.

Ein paar Kilometer weiter rücken die Hügel wieder näher zusammen. Wir blicken auf einen Bach mit Wasserfall und Angler.

Dann bei Leenane kommen wir an den Killary Fjord, den einzigen Fjord Irlands.

Wir fühlen uns wie in Norwegen. Dieser Eindruck wird kurz danach noch einmal durch ein gewaltiges Gebirge verstärkt.

Schließlich erreichen wir Louisburgh, wo uns ein gut besuchter Badestrand erwartet.

Kann man auf 180 Kilometern eine größere Vielfalt erfahren?