Freitag, 18. Juli 2014

Aurlandsvejen – Flam – Undredal 80 km

Wir haben es schon platschen gehört. Aber es hilft nichts. Am Morgen muss Achim auf unser Dach klettern und unser Womo von Möwenkacke befreien. Man könnte glauben, die Biester haben Zielflugübungen durchgeführt. An der Essostation können wir unseren Luftdruck an den Reifen überprüfen und sogar auf über fünf Bar erhöhen. Das geht nicht an allen Tankstellen. Die meisten Geräte versagen bei so hohen Drücken. Dann haben wir die Wahl: Entweder den mit vierundzwanzig Kilometern längsten Tunnel Europas durchfahren oder den sogenannten Schneeweg, also den Aurlandsvejen über den Pass mit achtundvierzig Kilometern und einer Passhöhe von 1306 m. Wir entscheiden uns für die touristische Alternative. Gleich beim ersten Abzweig zum Pass wird die Straße ganz, ganz eng. Wir sind aber früh dran und somit haben wir hier kaum Gegenverkehr. Unser Womo schnauft ganz brav nach oben. Da die Luft frisch ist, haben wir diesmal auch kaum Probleme mit dem Kühlwasser. Nur auf den Spritverbrauch sind wir neugierig, denn wir kommen aus dem zweiten Gang kaum heraus. Oben ist die Aussicht atemberaubend. Man fühlt sich über den Wolken. Zwar hatten wir unterwegs ein paar Nebelfelder; hier oben aber sind sie verschwunden. Ein paar Schönwetterwölkchen ziehen auf unserer Höhe vorbei und geben den Blick auf eine schier unendliche Weite sowohl nach unten ins Tal wie auch nach oben in den blauen Himmel frei. Dann fahren wir weiter, noch eine ganze Weile auf etwa der gleichen Höhe. 
Doch dann beginnt unweigerlich der Abstieg. Mindestens so steil wie der Aufstieg mit vielen Haarnadelkurven. Eine kleine Pause noch an einer Aussichtsplatform, von wo wir Aurland in der Tiefe


 und Drachenflieger (nicht auf diesem Bild) in der Höhe über dem Fjord sehen.
 Dann weiter. Die Straße erscheint noch schmäler als beim Aufstieg. Einige kleine Ausweichbuchten ermöglichen unser Vorbeikommen an entgegen kommenden Pkws. Leider kann man nicht weit voraus schauen, weil überall Kurven sind und bergab behindert die Bewaldung ein voraus schauendes Fahren. Aber Pkws sind zum Glück schmal und machen oft rechtzeitig Platz. Blöd wäre natürlich ein Lkw oder ein Bus. Und da ist er schon. Kommt um die nächste Kurve, steht und wartet auf den Sanktnimmerleinstag. Achim bleibt nichts anderes übrig als den Rückwärtsgang einzulegen und zwei-, dreihundert Meter rückwärts den Berg wieder hinauf zu fahren, bis er an einen Ausweichplatz kommt. Dann passiert uns der Bus. Der Fahrer lobt Achim mit erhobenem linken Daumen: „Danke. Gut gemacht.“ Was er mit der rechten Hand macht, kann Achim nicht sehen. Aber er vermutet, dass dort der Stinkefinger seinen Dienst tut. Denn als Achim weiter fährt, sieht er, dass der Bus nur ein paar Meter rückwärts zu einer anderen Ausweichstelle gehabt hätte. Sch....! Dann sind wir in Aurland und finden einen schönen Platz zum Ausruhen direkt am Fjord. Übernachten wollen wir hier aber nicht. Der Platz ist zu nahe an den Wohnhäusern. So fahren wir weiter bis Flam. Schließlich wollen wir morgen sowieso das Flambahnmuseum besuchen. Doch Flam ist eine Enttäuschung für uns. Auf den riesigen Parkplätzen stehen zwar Womos. Aber Schilder verbieten die Übernachtung (außer auf dem CP natürlich).
 Wie wir am nächsten Tag erfahren werden, wurden die Womos auch gegen zweiundzwanzig Uhr vertrieben. Wir beugen dem vor. Schließlich haben wir uns mit Informationen versorgt und fahren zum ersten Bahnhof bergauf (aber nicht steil) mit großem Parkplatz wie angekündigt. Womoverbot! Auf zum zweiten Bahnhof mit Parkplatz. Kleiner Schotterplatz mit drei Pkws schon voll geparkt. Also wieder zurück, durch den Tunnel Richtung Gudvangen und dann rechts ab nach Undredal. Dort gibt es die angekündigten Picknickplätze leider auch nicht mehr. Sogar der CP in Undredal ist voll. Wir kehren um und fahren wieder Richtung Hauptstraße. Kurz vor der Hauptstraße tritt Achim auf die Bremse. Er glaubt in einer kleinen Lichtung ein Womo gesehen zu haben. Richtig. Wir gesellen uns dazu. Später finden sich hier insgesamt fünf Womos für die Nacht ein.