Mittwoch, 10. Februar 2016

Isla Canela 2. Tag

Wir werden von Muschelkratzern (= Muschelsucher) geweckt. Genauer: von deren Autos, die neben uns einparken. Türen knallen und Gegenstände werden auf den Asphalt geworfen. Obwohl unser Parkplatz groß und fast leer ist, schafft es einer von diesen Knaben, sich in die kleine Lücke zwischen Anja und Erwin und einem weiteren Womo hinein zu quetschen. Damit ist für die beiden die Nachtruhe mit Sicherheit vorbei. Nachdem wir aufstehen und frühstücken, werfen wir einen Blick auf den fast wasserlosen Strand. Bei Ebbe zählen wir mindestens fünfzig Muschelkratzer. Aber es kommen noch mehr. Hinter uns parkt ein Nachzügler ein und marschiert mit seinen Utensilien zum Strand – um eine Minute später wieder zurück zu kommen. Hat er etwa seine Zigaretten vergessen? Nein, die Polizei ist mit zunächst zwei Fahrzeugen auf den Strand gefahren und kontrolliert die Burschen, ob sie mit einer gültigen Lizenz die Muscheln von den Steinen kratzen oder ob sie das etwa schwarz und damit illegal tun.
Wir beobachten das Schauspiel einige Zeit. Die beiden Fahrzeuge werden noch durch ein drittes unterstützt und fahren quer durch das Watt, manchmal auch durch ein paar Priele. Da auflaufendes Wasser ist, müssen die Beamten sehr aufpassen, dass sie mit ihren Fahrzeugen nicht vom Ufer abgeschnitten werden. Das wäre schon fatal. Sicher erwischen sie auch nicht alle schwarzen Schafe. Einige stehen bis zum Bauch in tieferem Wasser und andere sind sogar mit Booten gekommen. So sind sie vor der Polizei ziemlich sicher. Schließlich kommt sogar noch ein Filmteam auf unseren Parkplatz. Aber dass die an diesem Polizeieinsatz interessiert sind, glauben wir nicht. Wir vermuten eher eine kleine Reportage über diesen Strandabschnitt. Nachdem wir genug gesehen haben, fahren wir mit unseren Fahrrädern in Richtung Ayamonte. Wir wollen sehen, ob es hier in der Gegend schöne Lagunen gibt, die sich zum Kiten eignen. Aber leider Fehlanzeige. So kehren wir wieder um. Anja und Karin radeln nach Osten bis kurz vor Isla, wo sie unterwegs noch zwei Caches entdecken. Erwin und Achim kehren zu den Womos zurück, wo Erwin in Windeseile seine Kitesachen zusammen sucht und in Null Komma Nichts auf dem Wasser ist. Achim traut sich noch nicht so recht. Er ist zwei Jahre lang nicht mehr gekitet und beobachtet das Revier lieber erst mal vom Ufer aus. Morgen ist auch noch ein Tag.