Kaum dass
wir losgefahren sind, wird es auch schon wieder dunkel. Wir sind im
nächsten Tunnel. Dahinter liegt gleich Gudvangen, das wir aber erst
mal in Richtung Naeroyfjord passieren und stehen an einer Baustelle
neben einer Fähre. Karin steigt aus und erkundigt sich nach dem Weg.
Wir sind tatsächlich richtig, müssen die Baustelle durchqueren und
gelangen auf eine sehr enge kleine Straße mit nur wenigen
Steigungen. Zum Glück gibt es hier auch wenig Verkehr. Wir
schlängeln uns so durch bis wir fast am Ende der Straße angekommen
sind.
Jetzt erkundet Achim den Weg. Zweihundert Meter weiter trifft
er einen Deutschen, der ihm von einer Weiterfahrt abrät. Er wäre
gestern noch einmal hundert Meter weiter gewesen und hätte beinahe
nicht mehr wenden können. Ein Anwohner hat ihm die Toreinfahrt
aufgemacht, sonst wäre der Rückwärtsgang gefragt gewesen. Mit
diesen Informationen drehen wir lieber wieder um und fahren in
Gudvangen die Tankstelle an, um zu ver- und entsorgen. Hier ist
richtig was los. Übers Wochenende findet hier ein Wikingerfest
statt, so dass man überall Zelte und urige Typen, männlich wie
weiblich, sieht. Das Ver- und Entsorgen ist gar nicht so einfach. Wir
müssen uns erst an den vielen Reisebussen, Pkws und Menschen
vorbeimogeln, bis wir die Station erreichen. Dort stehen wir für
Wasser an, denn die Busfahrer benutzen die eigentlich für Womos
gedachte Station, um ihre Busse zu waschen. Anschließend suchen wir
uns einen Parkplatz, von dem wir zum Tvindefoss wandern wollen. Aber
der Wanderweg geht an der Hauptstraße entlang. Wir verzichten
lieber. Deshalb halten wir direkt am Tvindefoss auf einem Parkplatz,
machen unser Foto und gönnen uns je ein Eis. Der nächste Halt ist
kurz hinter Voss. Dort laufen wir ein paar Meter in eine schöne
kleine und kühle Schlucht.
Kein Massentourismus hier. Wahrscheinlich
gefällt es uns deswegen so gut. Nun wollen wir uns einen Platz für
die Nacht suchen und fahren hier parallel zur Hauptstraße weiter.
Ein Fehler! Es gibt kaum Haltemöglichkeiten, nur wenige
Ausweichbuchten und ein paar morastige Holzlagerplätze. Schließlich
kommt uns an einer Engstelle auch noch ein betagter Norweger
entgegen, der sich zuerst weigert, mit seinem kleinen Pkw zurück zu
setzen. Erst als Achim demonstrativ den Motor abstellt, setzt er
zurück. Jetzt verstehen wir auch sein Zögern. Er hat das
Rückwärtsfahren weiß Gott nicht erfunden. Einmal hupt Achim, damit
er aufwacht und nicht im Graben landet. Bei der Ausweichbucht bleibt
er mitten auf der Straße stehen. Achim bleibt nichts anderes übrig,
als selbst links an ihm über die Ausweichbucht vorbei zu fahren.
Dann sind wir wieder auf der Hauptstraße, der E16, und natürlich
immer wieder in Tunnels. Hinter einem davon, kurz vor Dale, entdecken
wir einen schön gelegenen Picknickplatz, den wir gerne ansteuern.
Hier können wir tief durchatmen, denn die Hitze ist doch recht stark.
Abends gegen neun Uhr haben wir noch fast dreißig Grad auf dem
Außenthermometer. Am Fjord unterhalb des Parkplatzes versucht Achim
mal wieder zu angeln. Zwei Würfe macht er. Dann steckt sein Köder
fest. Wahrscheinlich wischt ihm da der sogenannte Fjordtroll eins aus
und hält ihn in der Tiefe fest – und lacht. Es hilft alles nichts.
So sehr er sich auch bemüht, der Troll bleibt Sieger, die Schnur
reißt und der erst frisch gekaufte Köder ist Geschichte. Achim
beschließt, den nächsten Versuch lieber wieder von einer Brücke
oder zumindest an einem Grasufer zu wagen. Wenn es denn überhaupt
noch einmal eine Gelegenheit dazu gibt. Inzwischen ist „unser“
Parkplatz international geworden: vier Womos, je eines aus Schweden,
Frankreich, Norwegen und natürlich wir aus Deutschland. Wir
Ausländer sind sauber, nur der Norweger lässt bewusst seinen
Abwassertank offen. Schade. Bisher hielten wir Norwegen immer für
ein besonders sauberes Land. Aber auch hier gibt es wie überall
schwarze Schafe.
