Sonntag, 20. Juli 2014

Naeroyfjord – Gudvangen – Tvindefoss – Voss – Dale 110 km

Kaum dass wir losgefahren sind, wird es auch schon wieder dunkel. Wir sind im nächsten Tunnel. Dahinter liegt gleich Gudvangen, das wir aber erst mal in Richtung Naeroyfjord passieren und stehen an einer Baustelle neben einer Fähre. Karin steigt aus und erkundigt sich nach dem Weg. Wir sind tatsächlich richtig, müssen die Baustelle durchqueren und gelangen auf eine sehr enge kleine Straße mit nur wenigen Steigungen. Zum Glück gibt es hier auch wenig Verkehr. Wir schlängeln uns so durch bis wir fast am Ende der Straße angekommen sind.
 Jetzt erkundet Achim den Weg. Zweihundert Meter weiter trifft er einen Deutschen, der ihm von einer Weiterfahrt abrät. Er wäre gestern noch einmal hundert Meter weiter gewesen und hätte beinahe nicht mehr wenden können. Ein Anwohner hat ihm die Toreinfahrt aufgemacht, sonst wäre der Rückwärtsgang gefragt gewesen. Mit diesen Informationen drehen wir lieber wieder um und fahren in Gudvangen die Tankstelle an, um zu ver- und entsorgen. Hier ist richtig was los. Übers Wochenende findet hier ein Wikingerfest statt, so dass man überall Zelte und urige Typen, männlich wie weiblich, sieht. Das Ver- und Entsorgen ist gar nicht so einfach. Wir müssen uns erst an den vielen Reisebussen, Pkws und Menschen vorbeimogeln, bis wir die Station erreichen. Dort stehen wir für Wasser an, denn die Busfahrer benutzen die eigentlich für Womos gedachte Station, um ihre Busse zu waschen. Anschließend suchen wir uns einen Parkplatz, von dem wir zum Tvindefoss wandern wollen. Aber der Wanderweg geht an der Hauptstraße entlang. Wir verzichten lieber. Deshalb halten wir direkt am Tvindefoss auf einem Parkplatz, machen unser Foto und gönnen uns je ein Eis. Der nächste Halt ist kurz hinter Voss. Dort laufen wir ein paar Meter in eine schöne kleine und kühle Schlucht.
 Kein Massentourismus hier. Wahrscheinlich gefällt es uns deswegen so gut. Nun wollen wir uns einen Platz für die Nacht suchen und fahren hier parallel zur Hauptstraße weiter. Ein Fehler! Es gibt kaum Haltemöglichkeiten, nur wenige Ausweichbuchten und ein paar morastige Holzlagerplätze. Schließlich kommt uns an einer Engstelle auch noch ein betagter Norweger entgegen, der sich zuerst weigert, mit seinem kleinen Pkw zurück zu setzen. Erst als Achim demonstrativ den Motor abstellt, setzt er zurück. Jetzt verstehen wir auch sein Zögern. Er hat das Rückwärtsfahren weiß Gott nicht erfunden. Einmal hupt Achim, damit er aufwacht und nicht im Graben landet. Bei der Ausweichbucht bleibt er mitten auf der Straße stehen. Achim bleibt nichts anderes übrig, als selbst links an ihm über die Ausweichbucht vorbei zu fahren. Dann sind wir wieder auf der Hauptstraße, der E16, und natürlich immer wieder in Tunnels. Hinter einem davon, kurz vor Dale, entdecken wir einen schön gelegenen Picknickplatz, den wir gerne ansteuern. Hier können wir tief durchatmen, denn die Hitze ist doch recht stark. Abends gegen neun Uhr haben wir noch fast dreißig Grad auf dem Außenthermometer. Am Fjord unterhalb des Parkplatzes versucht Achim mal wieder zu angeln. Zwei Würfe macht er. Dann steckt sein Köder fest. Wahrscheinlich wischt ihm da der sogenannte Fjordtroll eins aus und hält ihn in der Tiefe fest – und lacht. Es hilft alles nichts. So sehr er sich auch bemüht, der Troll bleibt Sieger, die Schnur reißt und der erst frisch gekaufte Köder ist Geschichte. Achim beschließt, den nächsten Versuch lieber wieder von einer Brücke oder zumindest an einem Grasufer zu wagen. Wenn es denn überhaupt noch einmal eine Gelegenheit dazu gibt. Inzwischen ist „unser“ Parkplatz international geworden: vier Womos, je eines aus Schweden, Frankreich, Norwegen und natürlich wir aus Deutschland. Wir Ausländer sind sauber, nur der Norweger lässt bewusst seinen Abwassertank offen. Schade. Bisher hielten wir Norwegen immer für ein besonders sauberes Land. Aber auch hier gibt es wie überall schwarze Schafe.