Gestern
waren wir die ersten und heute sind wir wie inzwischen üblich die
letzten. Wir haben auch Zeit. Die meisten Sehenswürdigkeiten, die
wir uns vorgenommen haben, konnten wir besuchen und – ganz ehrlich
– bewundern. Jetzt fehlte uns eigentlich nur noch Bergen. Aber wir
haben uns sagen lassen, der Wohnmobilplatz existiert nicht mehr. Man
empfiehlt uns, weit außerhalb auf einen Campingplatz zu gehen, von
dort aus zur nächsten Bahnstation zu fahren, dort zu parken, mit dem
Zug nach Bergen zu fahren und dann das Ganze wieder umgekehrt. Mal
abgesehen von den Kosten ist uns das dann doch zu umständlich und zu
aufwendig, nur um das zu sehen, was uns interessiert. Das wäre die
Altstadt Bryggen und vielleicht eine Fahrt mit der Schrägbahn, um
Bergen von oben zu sehen. Also lassen wir Bergen (für diesmal)
rechts liegen und nehmen die 7 südwärts. Wir merken wie der Trubel
und der Verkehr abnimmt. Zwar gibt es auch auf dieser Route viele
Touristen, aber doch erheblich weniger. Wir machen unseren ersten
Halt am Steinsdalsfossen. Ein hübsch anzusehender Wasserfall, leicht
vom großen, neuen Parkplatz aus zu erreichen. Das Besondere an
diesem Wasserfall ist, dass man dahinter durchgehen kann.
Wir finden
diesen Ausflug gut.
Dann wollen wir bei Kvam zu einem Bergsee
abbiegen. Die Straße ist mal wieder sehr „norwegisch“. Steil,
enge Haarnadelkurven, Gegenverkehr ganz doof. Achim muss sogar einmal
in den ersten Gang schalten; und das will schon was heißen. Nur die
Parkplätze am See verdienen ihren Namen nicht. Man könnte das Wort
wörtlich nehmen. Parkplatz. Also ein und meist genau ein Platz zum
Parken. Zumindest wenn man mit einem Womo ankommt. Ein Pkw tut sich
da leichter. Wir gelangen unverrichteter Dinge wieder in Kvam an.
Dort wollen wir einen Stellplatz anfahren, schrecken aber vor dem
Tagespreis von einhundert NOK ohne jeden Service zurück. Ein paar
Kilometer weiter in Framsnes finden wir einen wunderschönen
Parkplatz direkt am Fjord, wo wir viele Menschen baden sehen. Gerade
fährt ein Pkw weg und Achim bugsiert unser Womo in die Lücke. Wir
hätten nie gedacht, dass wir nach Norwegen fahren, um Badeurlaub zu
machen. Aber es ist tatsächlich so. Das Wasser ist warm und nur
mäßig salzig, weil hier am Fjordende die Bergflüsse den Salzgehalt
gering halten. Nur einmal wird Achim unruhig. Er sieht, wie zwei
andere Womos Probleme mit dem Anfahren haben. Die Erklärung: Der
Parkplatz hat einen ganz groben und weichen Teerbelag. Für leichte
Pkws kein Problem. Für schwere Womos aber schon. Achim läuft in der
Badehose zum Womo. Auch unsere Räder (jedes knapp mit einer Tonne belastet)
fangen bei dieser Gluthitze an, den Teer kuschelig zu finden. Achim
muss tatsächlich beim Anfahren etwas wippen (wie im Winter bei
Schnee), um wieder los zu kommen. Dann parkt er um auf einen festeren
Untergrund. Für die Nacht wollen wir diesen Platz nicht benutzen.
Sonst sind wir morgen doch noch tiefer gelegt. Wir fahren ein kleines
Stück weiter nach Süden und finden bei Soregarden einen kleinen
Picknickplatz mit herrlichem Blick auf den Fjord und – man mag es
kaum glauben – Astraempfang. Wir können endlich einmal deutsche
Nachrichten ansehen. Dabei belassen wir es dann aber auch. Karin
setzt sich nebn das Womo und liest, während Achim hinunter zum Fjord
marschiert und wieder einen Köder riskiert. Diesmal hat der
Fjordtroll zumindest etwas Mitleid. Er lässt Achim den Köder, wenn
auch widerwillig. Ein paar Mal muss Achim ganz schön ziehen, um ihn
aus dem Tang zu kriegen. Allerdings ein bisschen fies ist der Troll
doch. Er warnt alle Fische, zumindest so lange, bis Achim aufgibt.
