Wir
gehen (oder besser: fahren) für ein paar Tage getrennte Wege.
Während Anja und Erwin so langsam in Richtung Ostküste wollen,
fahren wir noch ein Stück nordwärts. Es soll hier schön angelegte
Radwege geben. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Doch zuerst
müssen wir an der Ent- und Versorgung anstehen. Wir haben mal wieder
einen ganz schlauen Mietmobilfahrer vor uns. Zunächst merken wir das
aber noch nicht. Wir kommen sogar nett mit ihm ins Gespräch und
unterhalten uns darüber, wie lange es doch dauert, bis das Abwasser
abgelaufen ist. Dann packt sie, die Mietmobilistin, ihre Duschsachen
und verschwindet in Richtung Sanitärgebäude. Er bleibt aber beim
Mobil und schaut seinem Abwasser zu bzw. dem dünnen Rinnsal, das aus
seinem Tank tröpfelt. Achim bemerkt, dass der Frischwasserverschluss
des Mietmobils gar nicht aufgeschraubt ist. Hat er den vergessen?
Nein, er will noch Frischwasser auffüllen, wenn der Abwassertank
leer ist. Achim ermutigt ihn, doch schon jetzt das Frischwasser
aufzufüllen, schließlich könne das Abwasser auch unbeobachtet und
gleichzeitig seinen Weg finden. Der Mobilist murrt ein bisschen, er
hätte doch Urlaub und jede Zeit der Welt, schickt sich aber an, nun
tatsächlich diese beiden Dinge gleichzeitig zu erledigen. Als wir
nach einer gefühlten Ewigkeit auch auf die Entsorgung fahren können,
haben aber die hinter uns Wartenden bereits aufgegeben und sind weg.
Zugegeben, wir haben wohl alle Urlaub und Zeit. Aber muss man diese
Zeit unbedingt länger als nötig im Stau vor der Entsorgung
verbringen? Dann fahren wir los und stehen nach ein paar Kilometern
schon wieder. In Kinvara geht erst einmal gar nichts mehr. Ein
Traktor der größeren Sorte hat sich mit einem entgegen kommenden
Reisebus quasi verhakt. Da beide Fahrer Profis sind, gibt zuerst
keiner nach. Jeder meint, der andere müsse zurück fahren.
Irgendwann können sich die beiden aber doch wieder von einander
loseisen. Trotzdem geht es in diesen engen Straßen mit an jeder
Seite parkenden Autos nur ganz zäh voran. Nach einigen Metern sehen
wir die wahren Schuldigen. Man hat eine Baustelle mit Wechselampel
eingerichtet, aber eben nur auf der Länge der Baustelle. Deshalb
kommen immer mehr Fahrzeuge entgegen, kommen aber nicht aus der
Baustelle heraus, eben weil Stau. Hätte man die Ampeln ein paar
Meter weiter voneinander entfernt platziert, wäre alles gut. So aber
ist viel Geduld und Nachsicht gefragt. Wir fahren danach weiter nach
Norden und staunen nicht schlecht über die Vielfalt der Landschaft,
die sich uns nun alle paar Kilometer bietet. Hinter Galway öffnet
sich der Horizont. Wir befinden uns in einer weiten Landschaft mit
Seen.
Ein paar Kilometer weiter rücken die Hügel wieder näher
zusammen. Wir blicken auf einen Bach mit Wasserfall und Angler.
Dann bei Leenane kommen wir an den Killary Fjord, den einzigen Fjord
Irlands.
Wir fühlen uns wie in Norwegen. Dieser Eindruck wird
kurz danach noch einmal durch ein gewaltiges Gebirge verstärkt.
Schließlich erreichen wir Louisburgh, wo uns ein gut besuchter
Badestrand erwartet.
Kann man auf 180 Kilometern eine größere
Vielfalt erfahren?
