Die
lang ersehnte Grottenfahrt steht an. Langersehnt deshalb, weil wir
schon letztes Jahr eine machen wollten, aber da spielte das Wetter
nicht mit. Díe Zufahrt zu den Grotten ist von der Tide abhängig,
also vom Wasserstand. Das ist logisch. Aber auch der Wind und damit
die Wellen bzw. die Dünung dürfen nicht zu kräftig/hoch sein.
Heute passt das Wetter ideal. Wir gehen etwa zwanzig Minuten zu Fuß
bis zum Buchungsstand. Die gleiche Dame, die uns gestern beraten hat,
ist wieder da und empfängt uns mit einer Entschuldigung und etwas
verwirrenden Nachrichten. Unsere Zweistundentour wird normalerweise
mit zwei Booten gefahren. Ein größeres für die „Aussenansicht“,
also die Klippen und Grotten vom Meer her, und ein kleineres, in das
man umsteigt, um näher heranzukommen und in die Grotten
hineinzufahren. Das größere bekommt heute angeblich einen neuen
Anstrich. Daher bietet die Dame uns die Grottenfahrt für morgen an.
Das wollen wir nicht. Die Alternative lautet: Wir können gleich mit
dem kleineren Boot für etwa eine Stunde fahren – mit
entsprechender Preisminderung. Damit liegen wir mit Preis und Angebot
nun mit der Konkurrenz gleich. Achim darf zwar noch mit dem „Kapitän“
telefonieren. Aber das bringt auch keine neuen Erkenntnisse, was
aber auch an der Sprachbarriere und dem lauten Umfeld liegen kann.
Wir lassen uns schließlich auf die erwähnte Alternative ein, zahlen
und begeben uns zur Ablegestelle. Dort erwartet uns der Kapitän bei
beiden Booten. Er lässt uns Schwimmwesten anlegen, in das kleine
Boot einsteigen und stellt uns den jungen Schiffsführer vor. Aha,
der Kapitän fährt also nicht selbst mit. Er hat mit dem größeren
Boot zu tun, dass nicht nur einen Anstrich braucht, sondern auch ein
neues Teil an der Seitenwand, knapp unterhalb der Reling. Wenn da
nicht mal einer wo gegen geknallt ist. Da es Mittagszeit ist will der
Monteur Mittagspause machen. Der Kapitän sieht seine Chance, mehr
Geld zu verdienen und bietet uns nun doch die große Tour mit den
zwei Booten an – für den entsprechenden Aufpreis. Schließlich
kann man so ein Boot auch ramponiert fahren. Vor allem kriegt man da
auch mehr zahlende Leute unter. Da noch eine Mutter mit Kind
aufgetaucht ist, sind wir zur Zeit sechs zahlende Passagiere. Ein
weiteres Pärchen will mit, ist aber nicht bereit, den erhöhten
Preis zu zahlen. Schließlich bleibt es nach einigem Hin und Her bei
dem kleinen Boot. Trotz allem geht es pünktlich los. Um es gleich
vorweg zu nehmen. Im Nachhinein finden wir, dass diese „kleine“
Tour sowieso gescheiter ist. Unser Bootsführer ist ein netter junger
Mann, der außer seiner Muttersprache ganz passabel englisch spricht.
Nur sein Deutsch ist noch ziemlich verbesserungsfähig. Aber das
macht nichts. Schließlich können wir übersetzen. Was er uns zeigt,
ist sehr schwer zu beschreiben. Man muss es selbst gesehen haben.
Schon bei der Hafenausfahrt
(und auch auf der Rückfahrt) zeigt er
uns die von Wasser aus sichtbaren Sehenswürdigkeiten von Lagos
einschließlich kurzer geschichtlicher Erklärungen.
Die Klippen,
Buchten und Grotten tragen fast alle Namen. Die meisten scheinen aber
von den Schiffsführern selbst vergeben zu sein und ändern sich auch
im Laufe der Zeit, wie er mit einem Schmunzeln zugibt. Es kommen
Bezeichnungen wie Adlerkopf, Pinguin, Elefant, Mammut,
Kathedrale usw. vor. Manches ist leicht zu erkennen, anderes schwer,
je nach Betrachtungswinkel und Fantasie. Insgesamt aber sieht man
eine sehr lohnenswerte Natur in vielen Lichtschattierungen.
Auch die Einfahrten in die Grotten bzw. sonstige Felsdurchfahrten sind manchmal recht spannend, besonders wenn man an die kaputte Seitenwand des großen Bootes denkt, oder auch einmal ein ordentliches Kratzen am Felsen wahrnimmt. Macht aber nichts. Unser Schiffsführer warnt uns öfter, auf unsere Köpfe aufzupassen und die Hände innerhalb der Bordwand zu behalten. Nach etwa einer Stunde kehren wir alle glücklich in den Hafen zurück. Und das nicht nur, weil wir heil geblieben sind, sondern weil die Fahrt ganz einfach toll war und durchaus weiterempfohlern werden kann.
