Sonntag, 10. September 2017

Workum 9. Tag

Es gibt Tage, da geht alles nicht so wie es soll. Der erste Fehler heute: Ich bin aufgestanden. Dabei hätte ich viel besser im Bett bleiben sollen. Doch wie hätte ich das vorher wissen können? Also von Anfang an. Ich bin aufgestanden. Die Windvorhersage trifft einigermaßen zu. Es bläst ganz gut. Welchen Kite nehme ich mit an den Strand? Sinnvoll wären zwei Größen. Aber dann bliebe ein Kite allein am Strand zurück. Ob das an einem Sonntag mit zig Strandbesuchern ratsam ist? Zwar sind meine Kites nicht gerade die neuesten und begehrtesten Teile, aber Gelegenheit macht Diebe. Daher entschließe ich mich lieber nur einen Kite mitzunehmen. Ich bin auch ziemlich schnell. Ich sehe Erwin starten als ich am Strand ankomme. Das ist für meine Verhältnisse recht schnell. Ich baue meinen Kite auf, und schon währenddessen kommen mir Zweifel, ob er nicht doch etwas zu klein gewählt ist. Beim Starten merke ich schon, dass er kaum nach oben will. Nur mit Müh und Not kann ich ihn am Himmel halten. Auf das Brett zu kommen ist dann eine andere Sache. Ich bin zwar nicht besonders schwer, aber das Verhältnis von Wind zu Kite zu Brett zu Achim ist etwas ungünstig. Nach einigen Versuchen schaffe ich es dann doch. Inzwischen bin ich auch schon ganz gut nach Lee abgetrieben. Viel weiter darf ich nicht, denn dann fängt ein Naturschutzgebiet an. Mir bleibt nichts anderes übrig, als Höhe zu laufen, was in dem flachen Wasser nicht schwierig ist, aber nicht der Sinn des Kitens. Manchmal frischt der Wind etwas auf und ich gehe vom Laufen zum Kiten über. Viel Höhe kann ich aber nicht gewinnen. Inzwischen sind so viele Kiter, Surfer und Begleitpersonal auf dem Wasser, dass an geradeaus fahren nicht zu denken ist. So kämpfe ich mich durch das Gewusel bis ich schließlich wenigstens dort wieder an den Strand komme, wo ich eingestiegen bin. Jetzt mache ich erst einmal Pause. Beim Anblick von 60 Schirmen dicht aneinander gedrängt auf dem Wasser, vergeht mir die Lust der 61ste zu sein. (Die 60 Schirme hat übrigens ein Campingnachbar gezählt.) Der Wind soll ja zunehmen. Vielleicht hört dann der eine oder andere auf. Während ich eine ausgiebige Teepause einlege, nimmt der Wind tatsächlich zu. Die Anzahl der Menschen auf dem Wasser ändert sich aber kaum. Zwar kommt hin und wieder mal jemand an Land, aber nur, um den Schirm zu wechseln, oder er wird durch neu Hinzukommende ersetzt. Inzwischen sind auch die Kiteschulen aktiv, was heißt, dass noch mehr Menschen auf dem Wasser herumstehen. Kai kommt mit den Verhältnissen einigermaßen zurecht. Am besten aber macht es Erwin. Er mit seinem größeren Schirm schafft soviel Höhe, dass er einigermaßen entspannt kiten kann, ausgenommen eine kleine Pause wegen einer Materialpanne. Nachmittags gegen drei Uhr habe ich mir die Frist gesetzt, es gegebenfalls noch einmal zu probieren. Aber an der Masse auf dem Wasser hat sich nichts geändert. So packe ich meinen Kite wieder zusammen.