Es gibt
Tage, da geht alles nicht so wie es soll. Der erste Fehler heute: Ich
bin aufgestanden. Dabei hätte ich viel besser im Bett bleiben
sollen. Doch wie hätte ich das vorher wissen können? Also von
Anfang an. Ich bin aufgestanden. Die Windvorhersage trifft
einigermaßen zu. Es bläst ganz gut. Welchen Kite nehme ich mit an
den Strand? Sinnvoll wären zwei Größen. Aber dann bliebe ein Kite
allein am Strand zurück. Ob das an einem Sonntag mit zig
Strandbesuchern ratsam ist? Zwar sind meine Kites nicht gerade die
neuesten und begehrtesten Teile, aber Gelegenheit macht Diebe. Daher
entschließe ich mich lieber nur einen Kite mitzunehmen. Ich bin auch
ziemlich schnell. Ich sehe Erwin starten als ich am Strand ankomme.
Das ist für meine Verhältnisse recht schnell. Ich baue meinen Kite
auf, und schon währenddessen kommen mir Zweifel, ob er nicht doch
etwas zu klein gewählt ist. Beim Starten merke ich schon, dass er
kaum nach oben will. Nur mit Müh und Not kann ich ihn am Himmel
halten. Auf das Brett zu kommen ist dann eine andere Sache. Ich bin
zwar nicht besonders schwer, aber das Verhältnis von Wind zu Kite zu
Brett zu Achim ist etwas ungünstig. Nach einigen Versuchen schaffe
ich es dann doch. Inzwischen bin ich auch schon ganz gut nach Lee
abgetrieben. Viel weiter darf ich nicht, denn dann fängt ein
Naturschutzgebiet an. Mir bleibt nichts anderes übrig, als Höhe zu
laufen, was in dem flachen Wasser nicht schwierig ist, aber nicht der
Sinn des Kitens. Manchmal frischt der Wind etwas auf und ich gehe vom
Laufen zum Kiten über. Viel Höhe kann ich aber nicht gewinnen.
Inzwischen sind so viele Kiter, Surfer und Begleitpersonal auf dem
Wasser, dass an geradeaus fahren nicht zu denken ist. So kämpfe ich
mich durch das Gewusel bis ich schließlich wenigstens dort wieder an
den Strand komme, wo ich eingestiegen bin. Jetzt mache ich erst
einmal Pause. Beim Anblick von 60 Schirmen dicht aneinander gedrängt
auf dem Wasser, vergeht mir die Lust der 61ste zu sein. (Die 60
Schirme hat übrigens ein Campingnachbar gezählt.) Der Wind soll ja
zunehmen. Vielleicht hört dann der eine oder andere auf. Während
ich eine ausgiebige Teepause einlege, nimmt der Wind tatsächlich zu.
Die Anzahl der Menschen auf dem Wasser ändert sich aber kaum. Zwar
kommt hin und wieder mal jemand an Land, aber nur, um den Schirm zu
wechseln, oder er wird durch neu Hinzukommende ersetzt. Inzwischen
sind auch die Kiteschulen aktiv, was heißt, dass noch mehr Menschen
auf dem Wasser herumstehen. Kai kommt mit den Verhältnissen
einigermaßen zurecht. Am besten aber macht es Erwin. Er mit seinem
größeren Schirm schafft soviel Höhe, dass er einigermaßen
entspannt kiten kann, ausgenommen eine kleine Pause wegen einer
Materialpanne. Nachmittags gegen drei Uhr habe ich mir die Frist
gesetzt, es gegebenfalls noch einmal zu probieren. Aber an der Masse
auf dem Wasser hat sich nichts geändert. So packe ich meinen Kite
wieder zusammen.