Dienstag, 10. März 2015

Off the Blog: Richtig parken oder alle Viere gerade sein lassen


Falls der geschätzte Leser nur an unserer Reise interessiert sein sollte, so kann er diesen Post beruhigt überlesen. Falls er sich aber für die ausgefeilten Eigenheiten des Wohnmobildaseins an und für sich interessiert, möge er die folgenden Zeilen genießen.

Ein Auto stellt man auf einem Parkplatz in einer der hoffentlich vielen freien Buchten ab. Steht und passt. Nicht so ein Wohnmobil. Egal wo, ein Wohnmobil steht – genau wie ein Auto – meistens schief. Während das bei einem Auto (fast) völlig schnurz ist, kann das bei einem Wohnmobil fatale Folgen haben: Im Innenraum rollt und rutscht alles.

Harmlos, wenn nur der Kuli über den Tisch kullert. Ein hohes Weinglas ist da viel abwechslungsreicher. Es gehorcht der Schwerkraft, und wegen des langen Stieles ist es auch noch besonders folgsam. Es kann umkippen. Meist bleibt es aber heile. Der Inhalt auch. Nur fließt er von dannen. Erst über den ganzen Tisch, dann herunter vom Tisch und, wenn die Polster Glück haben, auf die Hose des Weingourmets. Ganz anders verhält es sich mit Wasser, genauer mit dem Abwasser im Küchen- und/oder Badezimmerwaschbecken. Hier bleibt es hartnäckig, weil der kleine Syphon darunter das Abwasser nicht weiterleiten kann.

Abends spielt dann der Fernseher verrückt, bzw. er spielt gar nicht erst mit, weil die Antenne durch die Schräge ihren eigenen - natürlich völlig verkehrten - Skeweffekt ausspielt. Was das ist, will ich hier nicht weiter erläutern. Erstens würde das zu weit führen und zweitens weiß ich es selbst auch nicht so genau. Nur so viel: Das Astrasignal schwächelt so sehr in der ganzen Anlage, dass kein Fernsehempfang möglich ist. Dies kann dann zu unerwünschten Auswirkungen auf das soziale und ansonsten friedliche Zusammenleben der Womobesatzung führen. Was tun ohne TV? Hierüber wurde sogar schon ein Spielfilm gedreht. Sehr lustig - vor allem neun Monate später. Also geht man mal etwas früher ins Bett. Doch auch hier ist Vorsicht angesagt. Man muss aufpassen, dass man nicht gleich wieder herausrollt. Der Kopf liegt auch grundsätzlich tiefer als die Füße. Den Körper umzuwuchten ist auch nicht immer die Lösung.

Doch genug der Folgen. Da hilft nur richtiges Ausrichten bzw. alle vier Reifen auf das gleiche Niveau zu bekommen. Der fünfte (Ersatz-) Reifen, egal ob vorhanden oder nicht, muss nicht unbedingt ausgerichtet werden. Bei hochpreisigen Womos geht das automatisch mit ausfahrbaren Stützen. Bei normalsterblichen Womobesatzungen müssen Auffahrkeile helfen. Wie viele und unter welche Räder stellt die erste Herausforderung dar. Nach demokratischer Einigung beginnt das Ausrichten der Keile und die Auffahrt auf diese (nicht Überfahrt!) mit richtigem Stopp, Handbremse anziehen und ohne Zurückrollen. Letzteres ist meist nur Theorie. Ein Freund von mir (Er möge mir diesen Teil des Blogs verzeihen und Freund bleiben.) hat sich dafür kleine Zusatzkeile gekauft, die, wenn die Räder auf den Keilen stehen, schnell von der Ehefrau dahintergeklemmt werden. Gefährliche Sache! Deshalb sollte immer auf Vorrat gekocht sein oder ausreichend Konserven vorhanden und die Kranken- und Unfallversicherungsbeiträge entrichtet worden sein. Noch gefährlicher ist das Herunterfahren, denn dann muss der Fahrer gefühlvoll etwas höher fahren, die Stuntfrau schnell und energisch zugreifen und den kleinen Block und vor allem sich selbst wieder entfernen. Hierfür hat mein Freund eine tolle Idee entwickelt. Er hat eine Schnur an den kleinen Keilen befestigt, so dass seine Ehefrau im richtigen Moment aus relativ sicherer Entfernung den Keil an sich reißen kann. Dies sollte aus physikalischen Gründen auch mit viel Fingerspitzengefühl erfolgen. Sonst gibt es weitere Folgen, auch für die Umgebung.

Hat man dies alles zur Zufriedenheit gemeistert, stellt man fest, dass weitere wichtige Überlegungen noch nicht berücksichtigt wurden: Wo schaut das Womo eigentlich hin? Hier ist gemeint: Die Aussicht aus den Fenstern. Keine Sonne auf den Kühlschranklüftungsgittern. Können wir vor/am/neben/hinter dem Womo sitzen, Sonne/Schatten genießen. Kühlt der Wind angenehm oder bläst er kalt? Sind wir vor interessierten/neugierigen Mitmenschen/Gaffern geschützt? All diesen Fragen kann durch erneutes Umparken und Ausrichten entsprochen werden – bis der Tank leer ist. Will man sich mit mehreren Wohnmobilbesatzungen (Reisebekanntschaften) in gemütlicher Runde zusammensetzen wird das Ganze freilich etwas komplizierter. Achja, dann muss die Windschutzscheibe aber auch grundsätzlich nach Osten ausgerichtet werden, damit das Womoinnere von der Morgensonne erwärmt wird – es sei denn man sieht am nächsten Morgen nur Seenebel, dicke Wolken aber eben keine Sonne. Aber vielleicht können wir das ja auch noch eines Tages beeinflussen.