Falls
der geschätzte Leser nur an unserer Reise interessiert sein sollte,
so kann er diesen Post beruhigt überlesen. Falls er sich aber für
die ausgefeilten Eigenheiten des Wohnmobildaseins an und für sich
interessiert, möge er die folgenden Zeilen genießen.
Ein
Auto stellt man auf einem Parkplatz in einer der hoffentlich vielen
freien Buchten ab. Steht und passt. Nicht so ein Wohnmobil. Egal wo,
ein Wohnmobil steht – genau wie ein Auto – meistens schief.
Während das bei einem Auto (fast) völlig schnurz ist, kann das bei
einem Wohnmobil fatale Folgen haben: Im Innenraum rollt und rutscht
alles.
Harmlos,
wenn nur der Kuli über den Tisch kullert. Ein hohes Weinglas ist da
viel abwechslungsreicher.
Es gehorcht der Schwerkraft, und wegen des langen Stieles ist es auch
noch besonders folgsam. Es kann umkippen. Meist bleibt es aber heile.
Der Inhalt auch. Nur fließt er von dannen. Erst über den ganzen
Tisch, dann herunter vom Tisch und, wenn die Polster Glück haben,
auf die Hose des Weingourmets. Ganz anders verhält es sich mit
Wasser, genauer mit dem Abwasser im Küchen- und/oder
Badezimmerwaschbecken. Hier bleibt es hartnäckig, weil der kleine
Syphon darunter das Abwasser
nicht weiterleiten kann.
Abends
spielt dann der Fernseher verrückt, bzw. er spielt gar nicht erst
mit, weil die Antenne durch die Schräge ihren eigenen - natürlich
völlig verkehrten - Skeweffekt ausspielt. Was das ist, will ich
hier nicht weiter erläutern. Erstens würde das zu weit führen und
zweitens weiß ich es selbst auch nicht so genau. Nur so viel: Das
Astrasignal schwächelt so sehr in der ganzen Anlage, dass kein
Fernsehempfang möglich ist. Dies kann dann zu unerwünschten
Auswirkungen auf das soziale und ansonsten friedliche Zusammenleben
der Womobesatzung führen. Was tun ohne TV? Hierüber wurde sogar
schon ein Spielfilm gedreht. Sehr lustig - vor allem neun Monate
später. Also geht man mal etwas früher ins Bett. Doch auch hier ist
Vorsicht angesagt. Man muss aufpassen, dass man nicht gleich wieder
herausrollt. Der Kopf liegt auch grundsätzlich tiefer als die Füße.
Den Körper umzuwuchten ist auch nicht immer die Lösung.
Doch
genug der Folgen. Da hilft nur richtiges Ausrichten bzw. alle vier
Reifen auf das gleiche
Niveau zu bekommen. Der
fünfte (Ersatz-) Reifen, egal ob vorhanden oder nicht, muss nicht
unbedingt ausgerichtet werden. Bei
hochpreisigen Womos geht das automatisch mit ausfahrbaren Stützen.
Bei normalsterblichen Womobesatzungen müssen Auffahrkeile helfen.
Wie viele und unter welche Räder stellt
die erste Herausforderung dar. Nach demokratischer Einigung beginnt
das Ausrichten der Keile und die Auffahrt auf diese (nicht
Überfahrt!) mit richtigem Stopp, Handbremse anziehen und ohne
Zurückrollen. Letzteres ist meist nur Theorie. Ein Freund von mir
(Er möge mir diesen Teil des Blogs verzeihen und Freund bleiben.)
hat sich dafür kleine Zusatzkeile gekauft, die, wenn die Räder auf
den Keilen stehen, schnell von der Ehefrau dahintergeklemmt werden.
Gefährliche Sache! Deshalb sollte immer auf Vorrat gekocht sein oder
ausreichend Konserven vorhanden und die Kranken- und
Unfallversicherungsbeiträge entrichtet worden sein. Noch
gefährlicher ist das Herunterfahren, denn dann muss der Fahrer
gefühlvoll etwas höher fahren, die Stuntfrau schnell und energisch
zugreifen und den kleinen Block
und vor allem sich selbst
wieder entfernen. Hierfür
hat mein Freund eine tolle Idee entwickelt. Er hat eine Schnur an den
kleinen Keilen befestigt, so dass seine Ehefrau im richtigen Moment
aus relativ sicherer Entfernung den Keil an sich reißen kann. Dies
sollte aus physikalischen Gründen auch mit viel Fingerspitzengefühl
erfolgen. Sonst gibt es weitere Folgen, auch für die Umgebung.
Hat
man dies alles zur Zufriedenheit gemeistert, stellt man fest, dass
weitere wichtige Überlegungen noch nicht berücksichtigt wurden: Wo
schaut das Womo eigentlich hin? Hier ist gemeint: Die Aussicht aus
den Fenstern. Keine Sonne auf den Kühlschranklüftungsgittern.
Können wir vor/am/neben/hinter dem Womo sitzen, Sonne/Schatten
genießen. Kühlt der Wind angenehm oder bläst er kalt? Sind wir vor
interessierten/neugierigen Mitmenschen/Gaffern geschützt? All diesen
Fragen kann durch erneutes Umparken und Ausrichten entsprochen werden
– bis der Tank leer ist. Will man sich mit mehreren
Wohnmobilbesatzungen (Reisebekanntschaften) in gemütlicher Runde
zusammensetzen wird das Ganze freilich etwas komplizierter. Achja,
dann muss die Windschutzscheibe aber auch grundsätzlich nach Osten
ausgerichtet werden, damit das Womoinnere von der Morgensonne erwärmt
wird – es sei denn man sieht am nächsten Morgen nur Seenebel,
dicke Wolken aber eben keine Sonne. Aber vielleicht können wir das
ja auch noch eines Tages beeinflussen.