Freitag, 1. Juli 2016

Killarney 130 km



Heute steht der berühmte Ring of Kerry auf dem Programm. Wir starten recht früh, da wir viel vorhaben. Unser erstes Ziel ist ein laut Reiseführer gut erhaltenes Fort, das Staigue-Fort. Doch kaum sind wir von der Hauptstraße abgebogen, finden wir uns in einer ganz engen mit hohen Büschen bewachsenen Straße wieder. Wir kämpfen uns gut einen Kilometer durch, doch dann haben wir die Nase voll. Unser Womo tut uns leid. Es kratzt und schabt mal links, mal rechts und mal beidseitig. Anja und Erwin ergeht es nicht anders. Wir einigen uns darauf, bei nächster Gelegenheit zu wenden und diese Besichtigung ad acta zu schieben. Wir sind jetzt richtig sauer. Unser Reiseführer behauptet, dass hier sogar Reisebusse verkehren. Das kann nicht sein. Die passen hier nie im Leben durch. Unseren Womos müssen wir demnächst mit Poliermitteln zu Leibe rücken, um die Schäden wenigstens einigermaßen wieder zu beheben. Dementsprechend vorsichtig biegen wir zu unserem nächsten Ziel ab, dem Derrynane House. Hier wohnte einst der vielleicht berühmteste und beliebteste irische Abgeordnete Daniel O'Connel. Die Iren verdanken ihm viel, unter anderem deren Interessenvertretung im britischen Parlament im 19.Jh. Diesmal klappt unsere Anfahrt ohne Probleme. Wir besichtigen zuerst den hübschen Garten und dann das eigentlich für damalige Verhältnisse recht bescheidene Haus. 

Innen ist es meist sogar recht gemütlich eingerichtet, wenn auch mit einigen Kostbarkeiten. Hier gibt es zum Beispiel einen aufwendig gearbeiteten Tisch, der nicht aus mehreren Teilen zusammen gesetzt ist, sondern aus einem einzigen Stück „geschnitzt“ wurde. 

Bei einem anschließenden kurzen Spaziergang zum Strand treffen wir zwei nette Irinnen, die uns so nebenbei erzählen, dass am Wochenende eine große Radrundfahrt auf dem Ring of Kerry stattfindet. Damit ist unsere Timeline festgelegt. Wir müssen bis dahin woanders sein. 

Schnell fahren wir weiter, lassen einen laut Reiseführer schwer zu befahrenden Streckenabschnitt am Westende weg (Wenn der Reiseführer schon so etwas behauptet, muss ja wohl etwas dran sein.) und besuchen eines der vielen Steinforts. 

Diese riesigen Bollwerke wurden aus fast unendlich vielen flachen Steinen so kunstvoll zusammen gesetzt, das diese Mauern ohne jede verbindende Schicht auskommen, aber enorm stabil sind – teilweise bis heute. Auch innen wurde die Bauweise beibehalten, wodurch die Stabilität wohl nochmals erhöht wurde. 

Dann machen wir uns endgültig vom Acker. Die restliche Fahrt ist auch ziemlich eintönig. Die Straßen werden breiter und verlaufen meist weit vom Meer entfernt. Vielleicht trägt auch das trübe Wetter zu unserem Eindruck bei, der Ring of Kerry ist überbewertet. Der Ring of Beara hat uns besser gefallen. Wir erreichen am späten Abend Killarney. Hier müssen wir uns aber erst durch die Aussenbezirke der Stadt quälen, weil hier wohl so eine Art Volksfest stattfindet. Nachdem wir das überstanden haben, finden wir uns am Ross Castle wieder, wo wir uns für die Nacht einrichten.