Heute steht der
berühmte Ring of Kerry auf dem Programm. Wir starten recht früh, da
wir viel vorhaben. Unser erstes Ziel ist ein laut Reiseführer gut
erhaltenes Fort, das Staigue-Fort. Doch kaum sind wir von der
Hauptstraße abgebogen, finden wir uns in einer ganz engen mit hohen
Büschen bewachsenen Straße wieder. Wir kämpfen uns gut einen
Kilometer durch, doch dann haben wir die Nase voll. Unser Womo tut
uns leid. Es kratzt und schabt mal links, mal rechts und mal
beidseitig. Anja und Erwin ergeht es nicht anders. Wir einigen uns
darauf, bei nächster Gelegenheit zu wenden und diese Besichtigung ad
acta zu schieben. Wir sind jetzt richtig sauer. Unser Reiseführer
behauptet, dass hier sogar Reisebusse verkehren. Das kann nicht sein.
Die passen hier nie im Leben durch. Unseren Womos müssen wir
demnächst mit Poliermitteln zu Leibe rücken, um die Schäden
wenigstens einigermaßen wieder zu beheben. Dementsprechend
vorsichtig biegen wir zu unserem nächsten Ziel ab, dem Derrynane
House. Hier wohnte einst der vielleicht berühmteste und beliebteste
irische Abgeordnete Daniel O'Connel. Die Iren verdanken ihm viel,
unter anderem deren Interessenvertretung im britischen Parlament im
19.Jh. Diesmal klappt unsere Anfahrt ohne Probleme. Wir besichtigen
zuerst den hübschen Garten und dann das eigentlich für damalige
Verhältnisse recht bescheidene Haus.
Innen ist es meist sogar recht gemütlich eingerichtet, wenn auch mit
einigen Kostbarkeiten. Hier gibt es zum Beispiel einen aufwendig
gearbeiteten Tisch, der nicht aus mehreren Teilen zusammen gesetzt
ist, sondern aus einem einzigen Stück „geschnitzt“ wurde.
Bei einem anschließenden kurzen Spaziergang zum Strand treffen wir
zwei nette Irinnen, die uns so nebenbei erzählen, dass am
Wochenende eine große Radrundfahrt auf dem Ring of Kerry
stattfindet. Damit ist unsere Timeline festgelegt. Wir müssen bis
dahin woanders sein.
Schnell fahren wir weiter, lassen einen laut
Reiseführer schwer zu befahrenden Streckenabschnitt am Westende weg
(Wenn der Reiseführer schon so etwas behauptet, muss ja wohl etwas
dran sein.) und besuchen eines der vielen Steinforts.
Diese riesigen Bollwerke wurden aus fast unendlich vielen flachen
Steinen so kunstvoll zusammen gesetzt, das diese Mauern ohne jede
verbindende Schicht auskommen, aber enorm stabil sind – teilweise
bis heute. Auch innen wurde die Bauweise beibehalten, wodurch die
Stabilität wohl nochmals erhöht wurde.
Dann machen wir uns endgültig vom Acker. Die restliche Fahrt ist
auch ziemlich eintönig. Die Straßen werden breiter und verlaufen
meist weit vom Meer entfernt. Vielleicht trägt auch das trübe
Wetter zu unserem Eindruck bei, der Ring of Kerry ist überbewertet.
Der Ring of Beara hat uns besser gefallen. Wir erreichen am späten
Abend Killarney. Hier müssen wir uns aber erst durch die
Aussenbezirke der Stadt quälen, weil hier wohl so eine Art Volksfest
stattfindet. Nachdem wir das überstanden haben, finden wir uns am
Ross Castle wieder, wo wir uns für die Nacht einrichten.




